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Festival und Off-Topic Konferenz bringen zusammen und schieben die Dinge an. Momentan ist das schwierig, da ein Virus das öffentliche Leben bestimmt. Die Auswirkungen treffen alle Branchen hart, im Besonderen jedoch die Kultur- und Kreativwirtschaft. Manche bleiben gelassen, manche blicken sorgenvoll auf die nächsten Tage und Wochen und manche fragen sich, was kann man tun?

Wir können euch vorerst ganz konkret diese Seite zur Verfügung stellen, auf der wir euch mit Tipps und Hinweisen versorgen, wichtige Ansprechpartner*innen der Region und darüber hinaus vorstellen, euch Hilfestellungen bieten, euch vernetzen und in Interviews nachfragen, wie ihr so über die Runden kommt.

Wir möchten Mut machen und an gemeinsame Stärken erinnern — in diesem Sinne: Dranbleiben, wir sehen uns im September zur Off-Topic Konferenz!

Hard Facts

Land Hessen: Hessen kulturell neu eröffnen (Phase 3) – Projektstipendien

Noch bis zum 30. August 2020 können Einzelkünstler*innen sowie freie Gruppen, Kulturvereine und –unternehmen Projektstipendien beantragen, mit denen sie den Übergang hin zur Entwicklung neuer Formate meistern. Insgesamt stehen Mittel für 1.000 Einzelkünstler*innen in Höhe von bis zu 5.000 Euro und 250 für freie Gruppen, Kulturvereine und -unternehmen in Höhe von bis zu 18.000 Euro bereit.
Antrag

Kulturstiftung des Bundes: dive in – Programm für digitale Interaktionen

Das Förderprogramm „dive in“ richtet sich an Kulturinstitutionen aller künstlerischen Sparten sowie an Gedenkstätten, Bibliotheken, Soziokulturelle Zentren, Archive mit Archivgut in künstlerischen Sparten und an Festivals. Gefördert werden digitale Formate wie Virtual Reality- und Augmented Reality-Anwendungen, Apps, Motion Capture, interaktive Webseiten, Games, Plattformen oder Citizen Science Projekte, die neue Formen der Wissensvermittlung und künstlerischen Auseinandersetzung, der spielerischen Aneignung oder der Partizipation mit Besucher*innen erproben. Förderanträge können bis zum 30. September 2020 über das Online-Antragsformular eingereicht werden.
Antrag

Bundesregierung: Neustart Kultur

Das Rettungspaket Neustart Kultur zielt auf einen Neustart des kulturellen Lebens in Zeiten von Corona und danach. Im Fokus stehen dabei vor allem Kultureinrichtungen, die überwiegend privat finanziert werden. Sie sollen in die Lage versetzt werden, ihre Häuser erneut zu öffnen und Programme wieder aufzunehmen, um Künstler*innen und Kreativen eine Erwerbs- und Zukunftsperspektive zu bieten. Folgende vier Maßnahmen sind im Programm vorgesehen:
1. Pandemiebedingte Investitionen in Kultureinrichtungen
2. Erhaltung und Stärkung der Kulturinfrastruktur und Nothilfen
3. Förderung alternativer, auch digitaler Angebote
4. Unterstützung bundesgeförderter Kultureinrichtungen und –projekte
Informationen

Stadt Frankfurt: Härtefall- und Notfallfonds des Kulturdezernates

Das Frankfurter Kulturdezernat konnte einen Notfallfonds für Einzelkünstler*innen, Künstlergruppen sowie Kollektive der unterschiedlichen künstlerischen Genres einrichten, bei denen die Maßnahmen von Land und Bund nicht greifen. Mithilfe des Notfallfonds soll Frankfurter Kulturschaffenden während der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie beigestanden und die Weiterführung ihrer künstlerischen Tätigkeit gesichert werden.
Antrag

Land Hessen: Unterstützung für Festivals, Stipendien für Kunstschaffende und Innovationsfonds für kreativen Übergang aus der Zeit der Pandemie

Das Land Hessen hilft Künstler*innen, Festivals und Kultureinrichtungen mit einem umfassenden Unterstützungspaket. Festivals, die ihre Veranstaltungen absagen oder in den digitalen Raum verlegen müssen, erhalten Unterstützung dabei, den Einnahmeausfall zu verkraften. Als freie Künstler*innen könnt ihr Arbeitsstipendien von je 2.000 Euro erhalten. Mit einem Programm für Kultureinrichtungen, Spielstätten sowie Künstler*innen unterstützt das Land den Neustart mit innovativen Ansätzen. Ab dem 1. Juni können Festivals und in der Künstlersozialkasse versicherte Kulturschaffende hier Mittel beantragen:
Webseite

Kulturstiftung des Bundes: Reload

Die Kulturstiftung des Bundes lädt im Rahmen des 6-monatigen Stipendienprogramms „Reload“ frei produzierende Künstlergruppen ein, sich mit den Auswirkungen der Coronakrise auf die eigene Kunstpraxis zu beschäftigen. Das Stipendienprogramm richtet sich gezielt an Freie Gruppen der darstellenden Künste und der Musik, da ihre künstlerische Zusammenarbeit und Aufführungen aktuell und in den nächsten Monaten nicht wie geplant möglich sein werden.
Antrag

Bundesverband Soziokultur: Neustart

Durch das Sofortprogramm „Neustart“ können Kultureinrichtungen Fördermittel für Umbau- und Ausstattungsmaßnahmen beantragen, die zur Reduzierung der Ansteckungsgefahr (insbesondere mit dem SARS-CoV-2-Virus) in deren öffentlichen und nicht-öffentlichen Bereichen erforderlich sind. Gefördert werden im Rahmen des Sonderprogramms Investitionen zwischen 10.000 und 50.000 Euro.
Antrag

Kulturzeiter*in: Unterstützung für Künstler*innen und Kulturschaffende

Hier eine lokale Initiative, die Kulturschaffende aller Genres aus Frankfurt und Offenbach unterstützten möchte. Voraussetzungen sind:
– professionelle Ausübung von Tätigkeiten im Bereich der Kunst und Kultur
– Wohnort oder Arbeitsschwerpunkt in Frankfurt oder Offenbach
– Akute und andauernde Notlage wegen aufgrund der Corona-Maßnahmen eingebrochener Einnahmen aus künstlerischer und nicht-künstlerischer Arbeit (Einnahmen nicht vorhanden oder unterhalb des Existenzminimums)

Die Künstler*innen erhalten, bei einem positiven Bescheid, 500 Euro. Bereits geförderte Personen können formlos per E-Mail Unterstützung für jeweils einen weiteren Monat beantragen.
Webseite

Land Hessen: Förderprogramm zur Weiterführung der Vereins- und Kulturarbeit

Das Land Hessen unterstützt alle gemeinnützigen Vereine des Landes mit einem Förderprogramm. Unter dem Titel „Weiterführung der Vereins- und Kulturarbeit“ können 41.000 Vereine ab dem 1. Mai Mittel für die Nachwuchsarbeit, Miete, Betriebskosten, Instandhaltungskosten und Kosten für bereits in Auftrag gegebene Projekte beantragen. Der Antrag ist beim fachlich zuständigen Ministerium zu stellen und online abrufbar.
Antrag

Regierungspräsidium Kassel: Corona-Soforthilfe

Die Corona-Soforthilfe gewährt hessischen Selbstständigen, Soloselbstständigen und Angehörigen der Freien Berufe, einschließlich Künstler*innen sowie Kleinunternehmern mit bis zu fünf Beschäftigten schnelle, unbürokratische und nicht rückzahlbare Zuschüsse in Höhe von 10.000 Euro. Für Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten gibt es 20.000 Euro Soforthilfe, Selbstständige und Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten können 30.000 Euro Soforthilfe beantragen. Der Antrag wird bis zum 31. Mai 2020 über das Regierungspräsidium Kassel gestellt. Dieses empfiehlt vor Antragstellung die Lektüre der „Ausfüllhilfe zum Corona-Soforthilfe-Antrag“.
Antrag

Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz: Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht

Das Wichtigste ganz kurz: Wenn ihr aufgrund der Covid-19 Pandemie im Zeitraum 1. April 2020 bis 30. Juni 2020 keine Miete mehr zahlen könnt (Wohn- als auch Gewerberäume), darf euch nicht gekündigt werden. Die Regelung besteht vorerst bis zum 30. Juni und befreit euch nicht von der Pflicht zur fristgerechten Zahlung der Miete.
Informationen

Finanzamt: Senkung der Steuervorauszahlungen

Das Finanzamt reicht dir auf Anweisung von ganz oben die Hand, indem es folgende Möglichkeiten bietet:

1. Die Gewährung von Stundungen wird erleichtert. Die Finanzbehörden können Steuern stunden, wenn die Einziehung eine erhebliche Härte darstellen würde. Die Finanzverwaltung wird angewiesen, dabei keine strengen Anforderungen zu stellen. Damit wird die Liquidität der Steuerpflichtigen unterstützt, indem der Zeitpunkt der Steuerzahlung hinausgeschoben wird.

2. Vorauszahlungen können leichter angepasst werden. Sobald klar ist, dass die Einkünfte der Steuerpflichtigen im laufenden Jahr voraussichtlich geringer sein werden, werden die Steuervorauszahlungen unkompliziert und schnell herabgesetzt. Die Liquiditätssituation wird dadurch verbessert.

3. Auf Vollstreckungsmaßnahmen (z. B. Kontopfändungen) beziehungsweise Säumniszuschläge wird bis zum 31. Dezember 2020 verzichtet, solange der Schuldner einer fälligen Steuerzahlung unmittelbar von den Auswirkungen des Corona-Virus betroffen ist.

Bei den Steuern, die von der Zollverwaltung verwaltet werden (z. B. Energiesteuer und Luftverkehrssteuer), ist die Generalzolldirektion angewiesen worden, den Steuerpflichtigen in entsprechender Art und Weise entgegenzukommen. Gleiches gilt für das Bundeszentralamt für Steuern, das bei seiner Zuständigkeit für die Versicherungssteuer und die Umsatzsteuer entsprechend verfahren wird.
Stundungsantrag
Liste Finanzämter Hessen

Agentur für Arbeit: Arbeitslosengeld II, Kinderzuschlag und Wohngeld

1. Arbeitslosengeld II. Der umständliche und somit lange Weg zur Grundsicherung (ALG II) wird vorübergehend abgekürzt, indem die Antragstellung ohne Prüfung des Vermögens und der Wohnungsgröße erfolgt. Die Arbeitsagentur formuliert das so: Wer ab dem 1. März bis einschließlich zum 30. Juni 2020 einen Neuantrag auf Grundsicherung stellt, für den entfällt für die ersten 6 Monate die Vermögensprüfung, wenn erklärt wird, dass kein erhebliches Vermögen verfügbar ist. In den ersten 6 Monaten des Leistungsbezugs werden die Ausgaben für Miete und Heizung in tatsächlicher Höhe anerkannt.
Liste Arbeitsagenturen Hessen

2. Kinderzuschlag (KiZ) als Alternative zur Grundsicherung erhält, wessen Einkommen zwar für ihn selbst, nicht aber für seine Familie reicht. Bei Neuanträgen ist nun nur noch das Einkommen des letzten Monats (anstelle des letzten halben Jahres) entscheidend. Bei Einkommensverlusten etwa von selbstständigen Eltern entsteht so schneller ein Anspruch.
Grundsicherung

3. Wohngeld. Abhängig von eurem Einkommen, euren monatlichen Mietbelastungen sowie der Anzahl der Familienmitglieder die in eurer Wohnung leben, habt ihr Anspruch auf Wohngeld.
Da die gesetzlichen Bestimmungen für das Wohngeld etwas unverständlich sind, empfiehlt die Seite wohngeld.org einfach die Antragstellung. Das Amt entscheidet dann, ob ihr förderungswürdig seid.
Wohngeld

Künstlersozialkasse (KSK): Änderung der Einkommenserwartung

Das Jahresarbeitseinkommen zu hoch geschätzt für das laufende Jahr? Kein Problem für die KSK. Einfach die geänderte Einkommenserwartung mitteilen, auf Antrag werden eure Beiträge den geänderten Verhältnissen angepasst.
Informationen

GEMA: Hilfsangebote

Corona-Hilfsfonds
Die GEMA will, in einem zweistufigen Programm, finanzielle Hilfen in Höhe von 40 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Diese richten sich in erster Linie an Komponist*innen und Texter*innen, die live auftreten. Das Ganze nennt sich „Corona-Hilfsfonds“, detaillierte Informationen zu den Berechtigten, der Antragstellung und der Auszahlung findet ihr auf der Gema Webseite.
Informationen

Vorauszahlungen aus dem Schutzschirm Live
Du bist als Komponist*in oder Textdichter*in GEMA-Urheber*in und hast von der GEMA im Jahr 2018 Gesamtausschüttungen zwischen 100 Euro netto und 30.000 Euro netto erhalten? Dann kannst du eine Vorauszahlung der Ausschüttungssumme beantragen. Die Höhe beträgt 100 % der Ausschüttungssumme aus dem Jahr 2018, jedoch mindestens 300 Euro netto. Die Antagsstelltung erfolgt über das GEMA-Onlineportal für Mitglieder.
Antrag

Umgang mit Lizenzverträgen
Für all diejenigen Lizenznehmer, die ihren Betrieb aufgrund behördlicher Anordnungen zur Eindämmung der Pandemie-Ausbreitung schließen müssen, ruhen alle Monats-, Quartals- und Jahresverträge. Für diesen Zeitraum entfallen alle GEMA-Vergütungen, rückwirkend ab dem 16. März 2020 bis auf Weiteres. Melden muss man nichts, da die GEMA die Verträge proaktiv ruhen lässt. Nach Ende der behördlichen Betriebsschließung wird eine Gutschrift erteilt.
Informationen

Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL): Nothilfe über 250 Euro

Die GVL, als Interessenverband ausübender Künstler*innen, gewährt eine Nothilfe für Berechtigte, also an alle, die von einem Verdienstausfall wegen Auftrittsabsage etc. betroffen sind. 250 Euro sind ein Tropfen auf den heißen Stein, aber besser als nichts. Weitere Hilfsmaßnahmen sind in Planung. So macht sich die GVL, an der Seite des Generalsekretärs des Deutschen Musikrates Christian Höppner, dafür stark, ein befristetes Grundeinkommen an die Kreativen zu zahlen.
Informationen

Sozialfonds der VG WORT

In Not geratenen Wortautoren und Verlegern wird über den Sozialfonds der VG Wort Beihilfen gewährt.
Sozialfonds

Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger

Die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger zeigt sich solidarisch mit in Not geratenen Theaterschaffenden und stellt 50.000 Euro aus dem Helene-Achterberg-Hewelcke-Hilfsfonds zur Verfügung. Empfänger*innen erhalten jeweils 500 Euro.
Informationen

Deutsche Orchesterstiftung

Die Deutsche Orchesterstiftung gewährt ebenfalls eine Notfallunterstützung in Höhe von 500 Euro für freiberufliche Musiker im Klassikbereich, die Mitglied der KSK sind.
Antrag

Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW): Liquiditätsdarlehen

Droht ein Zahlungsausfall, kann die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit einem zins subventionierten Liquiditätsdarlehen einspringen – heißt, sie kann einen Kredit vergeben, der Zahlungsausfälle überbrückt.
Informationen

Kostenfreie Servicenummer für Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler:
0800 5 39 90 00

Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WI-Bank): Kapital für Kleinunternehmen

Neben der KfW-Bank bietet auch die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen Hilfe an. Über deine Hausbank kannst du bei der WI-Bank Förderkredite beantragen, z. B. Kapital für Kleinunternehmen.
Dies gewährt kleinen Unternehmen Darlehen zwischen 25.000 und 150.000 Euro, die von der Hausbank um mindestens 50 % aufgestockt werden. Für dieses Förderdarlehen sind keine banküblichen Sicherheiten notwendig.
Informationen

Stadtgesundheitsamt: Entschädigung bei Tätigkeitsverbot

Der Virus hat dich erwischt oder auch nur vielleicht? Dann ab in Quarantäne. Kleiner Lichtblick: Der erlittene Verdienstausfall kann über eine Entschädigung ausgeglichen werden. Beantragt wird diese über das Hessische Ministerium für Soziales und Integration. Die Berechnungsgrundlage bildet, wie so oft, der letzte vorliegende Einkommensteuerbescheid. Der Antrag sollte innerhalb von drei Monaten, nach Ende der Quarantäne, gestellt werden.
Die Anträge erhältst du bei deinem zuständigen Stadtgesundheitsamt.
Liste Gesundheitsämter Hessen

Blog

Living the City

Für alle die es nicht zur Ausstellung Living the City in Berlin schaffen werden, gibt es die Möglichkeit eines virtuellen Besuchs:
Virtuelle Ausstellung

Node20 – Second Nature Conference

Die komplette Konferenz des diesjährigen Node Festivals ist weiterhin online abrufbar. Alle Vorträge, Podiumsdiskussionen und Performances wurden dafür im speziell angefertigte Augmented-Reality-Setup im Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm aufgezeichnet.
Node20 – Second Nature Conference

Kritik an der Verwertungsgesellschaft GVL

Ralph Böge, Mitverfasser eines offenen Briefes an die Verwertungsgesellschaft GVL, erklärt warum er und hunderte Musiker*innen, Produzent*innen und Labels gegen die Einrichtung protestieren. Das Gespräch zwischen Ralph Böge und Philipp Thull gibt es hier zum Nachlesen:
Interview

Wer bleibt auf der Strecke? Das langsame Sterben der Clubs

Seit Beginn der Corona-Krise sind die Clubs in ganz Deutschland geschlossen und anders als die meisten anderen Kulturinstitutionen haben sie noch lange keine Aussicht auf Öffnung. In diesem Beitrag widmet sich die Hessenschau der Problematik des Clubsterbens.
Beitrag

Heimspiel mit Mine

„Es wird die Qualität unserer Kultur verändern – die Kulturlandschaft wird auf viel weniger Menschen zusammengestampft.“ In ihrem Heimspiel Interview des re:publica Festivals erzählt Singer & Songwriterin Mine von ihrer Angst, dass die Kulturlandschaft durch die Corona-Krise ihre Vielfalt verlieren wird.
Interview

Sieben Fragen an Christian Rost (Kreatives Sachsen)

Christian Rost ist gelernter Kaufmann und Diplom-Geograph mit Schwerpunkt Wirtschaftsgeographie. 1997 gründete er sein erstes eigenes Unternehmen. Später arbeitete er als freiberuflicher Stadt- und Regionalentwickler mit dem Schwerpunkt Akteursbeteiligung/ Local-Governance. Von 2010 bis 2013 war er Mitarbeiter des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes und zuletzt als Leiter des Projektes tätig.

K: Wie wichtig gut funktionierende Interessenverbände sind hat sich in den letzten Monaten gezeigt. Kreatives Sachsen, als Projekt zur Stärkung der sächsischen Kreativbranche, zeigt das ganz besonders. Deshalb zuerst die Frage nach der Initialzündung die zu eurem Projekt führte und nach dem Weg zu einer guten Interessenvertretung.

C: In der Tat hatten wir sehr viel Glück, dass wir mit Kreatives Sachsen in der Krise unsere Arbeit machen konnten. Wir informieren bis heute über die vorhandenen Förderprogramme, sind im Dialog mit der Szene, geben Probleme und Bedarfe direkt an die Verwaltung weiter und tragen so dazu bei, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft bei den diversen Programmen mit berücksichtigt wird.
Das ganze geht natürlich nur, weil wir sehr nah dran sind. Als Projekt aus der Branche für die Branche werden wir durch den Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft getragen, der die Interessen der Soloselbständigen, freiberuflich Tätigen, kleinen, mittleren und großen Unternehemen der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen bündelt.
Dieser Landesverband entstand aus einem Zusammenschluss der drei städtischen Verbände Kreatives Chemnitz, Wir gestalten Dresden und Kreatives Leipzig. Mittlerweile sind auch die Kreative Lausitz mit an Bord.
Entstanden sind diese Verbände, um den unterschiedlichen Interessen der Sparten und Teilbranchen in der Kultur- und Kreativwirtschaft eine gemeinsame Stimme zu geben, als ein Ansprechpartner bzw. eine Ansprechpartnerin für Politik und Verwaltung zu fungieren. Das hat sich jetzt wirklich sehr ausgezahlt. Denn nur so kann man gegenüber etablierten Wirtschaftsbereichen auch den Interessen der gesamten Kultur- und Kreativwirtschaft Geltung verleihen

K: Kreatives Sachsen hat sehr schnell mit einer Art Handlungsanleitung und täglichen Up-Dates auf die Corona-Krise reagiert. Im weiteren Verlauf der Pandemie habt Ihr einen Fragebogen entwickelt, der die momentane Situation der Kreativbranche erfasst hat. Wie war die Resonanz auf die Umfrage?

C: Die Rückmeldungen aus der Szene waren sehr zahlreich und leider auch sehr erschütternd. Unsere Umfrage hatten wir schon in der zweiten Märzwoche gestartet und bis Ende März haben wir Antworten gesammelt. Obwohl das Ausmaß der Krise damals noch nicht absehbar war, hatten viele Akteure schon massive Umsatzrückgänge. Wir haben die Umfrage dann mit vielen PartnerInnen sogar bundesweit durchgeführt und insgesamt haben sich fast 700 Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft beteiligt. Das und insbesondere die Ergebnisse hat uns darin bestärkt, eben diese ganzen Informationen zu sammeln und der Szene bereitzustellen.

K: Welche Rückmeldung gab es von Seiten des Wirtschafts- bzw. Kultusministeriums auf die Auswertung der Umfrage und wie seid ihr als Interessenvertretung in die Entwicklung von Hilfsmaßnahmen für die Kreativbranche, seitens des Landes und des Bundes eingebunden?

C: Wir hatten glücklicherweise von Anfang an einen sehr guten Austausch mit den Ministerien. Die Umfrageergebnisse halfen uns, die Lage der Kultur- und Kreativwirtschaft deutlich zu machen. Auf Landesebene ist das sehr gut gelungen und einige Programme der Wirtschafts- und Kulturförderung konnten so für die Szene auf den Weg gebracht werden. Und die Gespräche gehen noch weiter. Für viele Akteure ist ja noch nicht klar, wann sich die Lage festigt und die brauchen weiterhin Unterstützung. Auf Bundesebene stießen wir leider trotz der sehr wichtigen Umfrageergebnisse auf keine offenen Ohren. Gerade das Beispiel Unternehmerlohn für Soloselbständige hat gezeigt, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft trotz ihrer enormen wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Bedeutung, die mit Automobil- und Energiewirtschaft locker mithalten kann, immer noch nicht in den etablierten Entscheiderkreisen angekommen ist.

K: Welche Maßnahmen wurden in Sachsen ergriffen und welche erachtet ihr als besonders sinnvoll?

C: In Sachsen gab es neben der Soforthilfe des Bundes auch ein Sofort-Hilfe Darlehen des Landes, welches sehr niederschwellig ausgegeben wurde. Auch wenn man das natürlich zurückzahlen muss, konnten viele Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft das Angebot nutzen. Hier war es auch möglich, den Unternehmerlohn daraus zu bestreiten, um zumindest kurzfristig nicht komplett auf der Strecke zu bleiben. Das ging natürlich auch nur für diejenigen, die absehen konnten, wieder einigermaßen auf die Beine zu kommen. Aber zumindest war es ein erstes Hilfsangebot. Zudem gab es Programme für den Bereich Kultur. Hier z. B. „Denkzeit“ bei dem Künstler*innen Gelder für neue Konzepte und Ideen beantragen konnten, um die „Coronepause“ für ihre künstlerische Arbeit zu nutzen. Der Wettbewerb „Denkzeit Event“ ermöglicht aktuell der Veranstaltungsbranche in Sachsen, neue Formate und Innovative Angebote unter Corona Bedingungen zu entwickeln. Hier sind wir auch Partner des Landestourismusverbandes Sachsen, der den Wettbewerb federführend umsetzt.

K: Welche Maßnahmen fehlen den sächsischen Kreativen?

C: Das größte Problem war und ist der Unternehmerlohn. Im Gegensatz zu juristischen Personen, sind die freiberuflich Tätigen und Soloselbständigen hier eindeutig benachteiligt. Auch ein vereinfachter Zugang zu ALG II ist keine Lösung und und wird auch der Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft nicht gerecht.
Wir sind natürlich dran, hier weiter im Gespräch zu bleiben. Gerade für den Musikbereich braucht es jetzt eine Art Notfallplan und Wiederaufbauprogramm. Sonst drohen jahrelang aufgebaute Existenzen einfach kaputt zu gehen. Gerade diejenigen, die sich in der Krise solidarisch zeigten und zum Wohle aller ihre Angebote in Klubs, bei Festivals oder im Rahmen von Konzerten gestoppt haben, werden jetzt dafür bestraft. Und das mit Auswirkungen auf die kommenden Jahre. Hier muss in jedem Fall was passieren.

K: Kreatives Sachsen verfügt über acht Mitarbeiter*innen mit unterschiedlichen Aufgabengebieten. Wie hat die Corona Pandemie eure Tätigkeit und euren Arbeitsablauf beeinflusst?

C: Auf der einen Seite sind natürlich auch wir von heute auf morgen ins Homeoffice umgezogen. Für uns war das sehr traurig, da unsere Beratungs- und Vernetzungsangebote wie auch alle anderen Bereiche unserer Arbeit vom intensiven Austausch mit der Szene leben. Auf der anderen Seite hatten wir einfach auch mehr Zeit, uns um die Probleme der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen im Kontext Corona zu kümmern. Normalerweise sind wir an 3-4 Tagen die Woche in ganz Sachsen unterwegs, für die Akteure auch in den kleineren Städten und Gemeinden vor Ort. Das ging jetzt natürlich nicht mehr. Aber wir haben die gesparte zeit gut genutzt und konnten über neue digitale Formate sehr viel Informationsarbeit leisten. Da haben wir auch viel positives Feedback bekommen. Wir konnten so mit Notfallberatungen einfach für die Szene da sein. Das war trotz allem auch ein gutes Gefühl und hat uns für unsere Arbeit Mut gemacht.

K: Was brauch die Kreativbranche und und was braucht es von der Kreativbranche um optimistisch in die Zukunft blicken zu können?

C: An vielen Stellen hat sich jetzt gezeigt, dass die Branche immer noch nicht so gut vernetzt ist. Gerade auf Bundesebene haben zu viele einzelne Stimmen ihre Interessen versucht zu vermitteln, was leider nicht gelungen ist. In Sachsen konnten wir mit einer gemeinsamen Stimme sprechen und kamen so auch in Gespräch mit Politik und Verwaltung. Das hat sich zumindest in Teilen ausgezahlt.
Wichtig ist daher neben allen noch hoffentlich folgenden Förderprogrammen, dass sich die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft trotz aller Unterschiede als eine Einheit begreifen. Nur dann sitzt die Branche bei zukünftigen Entscheidungen auf Bundesebene nicht mehr nur am Katzentisch sondern kann mitreden. Dafür können wir alle selber was tun. Während im Bundeswirtschaftsministerium jährlich ein paar Millionen Euro ausgegeben werden, um ein bisschen über Innovation in der Kultur- und Kreativwirtschaft zu reden, sind wir diejenigen die diese Innovationen tagtäglich schaffen. Das muss sich endlich auch in der Anerkennung der Branche widerspiegeln.

Stadt wächst, Club geht

Das Clubsterben nimmt in Zeiten von Gentrifizierung, knapperen Freiflächen in den Innenstädten und steigenden Mieten rasant zu. Wie lässt sich das aufhalten? Und welche Macht hätte die Politik, sich für Clubs einzusetzen? Diese und weitere Fragen stellen das Team von reporter in ihrem Beitrag „Clubsterben: Stadt wächst, Club geht“.
Video

Air_Offenbach

Das Programm AIR_Frankfurt verfolgt das Ziel, zeitgenössische bildende Kunst und den internationalen Austausch zwischen der Stadt Frankfurt und aufstrebenden Kunstzentren weltweit zu fördern. Im Sinne einer zusammenwachsenden Rhein-Main Region wird das Programm 2020 unter dem Titel AIR_Offenbach auch auf Offenbach am Main ausgeweitet. Im Wechsel ist eine Residenz in einer der aktuell sechs Partnerstädte des AIR Programms exklusiv für eine Offenbacher Künstlerin oder einen Offenbacher Künstler vorgesehen. 2021 findet dieser Austausch mit Antwerpen statt. Die Bewerbungsfrist endet am 27. September 2020.
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Way of Hope

Wave Of Hope for the Future und das Syntop Kollektiv haben gemeinsam eine neue Podcast-Serie ins Leben gerufen. Zweck der Initiative ist, möglichst viele Menschen auf die dramatische Situation an Europas Grenzen aufmerksam zu machen. Der Schwerpunkt der Spendenaktion liegt im Moment auf dem Flüchtlingscamp Moria in Griechenland. DJs wie Ben UFO, Jensen Interceptor, Mama Snake, Nene H, Gabber Eleganza, JASSS und Sugar unterstützen die Aktion und werden einen exklusiven Mix zur Reihe beitragen.
Spendenaktion
Podcast

Welche Clubs wird es in ein paar Monaten noch geben?

Thomas Venker hat sich für das Kaput – Magazin mit Hang Aoki (about blank), Sedef Adasi (City Club) und Jakob Thoene (Electronic Beats) über Clubkultur in Zeiten von Corona und Streams unterhalten.
Artikel

Sieben Fragen an Lutz Leichsenring (Clubcommission Berlin)

Lutz Leichsenring ist Vorstandsmitglied der Clubcommission Berlin, sowie Mitglied im Beirat des Musicboard Berlin und im Ausschuss Kreativwirtschaft der IHK Berlin. 2017 initiierte er das Projekt Creative Footprint, eine gemeinnützige Initiative, die kreativ-genutzte urbane Räume misst und indiziert. 2018 gründete er gemeinsam mit Mirik Milan, dem ehem. Nachtbürgermeister von Amsterdam, die international tätige Beratungsagentur VibeLab. Während der Covid-19 Krise war Lutz einer der Initiatoren der globalen Kampagne United We Stream, bei der über 1,5 Millionen Euro Spenden gesammelt werden konnten und sich über 360 Clubs und Musikspielstätten beteiligt haben.

K: Du bist, als Mitglied im Vorstand der Clubcommission Berlin mit der momentanen Situation der Clubs, der Betreiber*innen und Mitarbeiter*innen bestens vertraut. Wie ist die Stimmung in Berlin?

L: Die Situation der Clubs ist sehr angespannt da es alle zwei, drei Monate Liquiditätsprobleme gibt. Die Spendengelder gehen dann zur Neige bzw. müssen Rettungspakete wieder neu beantragt werden. Das auf Sicht fahren der Wissenschaft und die Politik ist für die Clubbetreiber*innen und Angestellten zermürbend da nicht langfristig geplant werden kann, sondern immer nur für den Zeitraum der nächsten zwei Monate. Die Berliner Clubs haben 9000 Angestellte, die momentan alle mit einem Berufsverbot belegt sind, entsprechend schlecht ist die Stimmung.

K: Ihr habt recht schnell auf die Verbreitung des Virus reagiert und die Clubs dafür sensibilisiert, Maßnahmen zu treffen. Wenn Du für Dich eine Chronologie der Ereignisse erstellen könntest, wie würde die aussehen?

L: Schon bevor der erste Corona-Fall in Berlin aufgetreten ist, gab es die ersten Krisentreffen. Wir haben versucht, mit Handouts und Hygienemaßnahmen Lösungen zu schaffen, wurden aber eines besseren belehrt. Am 13. März, einem Freitag, kam der Shutdown. In dessen Folge haben wir sofort angefangen, mit der Politik zu sprechen, zu verhandeln und unsere Notsituation darzustellen. Gleichzeitig haben wir versucht, alle Clubs zusammenzubringen. Es wurde eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet die alle Betreffenden mit Up-Dates und News versorgt hat und wir haben natürlich auch mit United We Stream eine Plattform geschaffen, auf der sich die Szene als Gemeinschaft gezeigt und zu Spenden aufgerufen hat.

K: Welche Hilfsmaßnahmen wurden bisher vonseiten der Politik für die Berliner Clubs ergriffen. Welche Maßnahmen erachtetest du als besonders sinnvoll, welche fehlen dir?

L: Die Rettungspakete haben dem einen oder anderen Club geholfen, viele Clubs sind aber auch durch das Raster gefallen. Wir haben viele Befragungen durchgeführt, um zu erfahren wie die aktuelle Situation ist. Aus den Befragungsergebnissen und im engen Austausch mit den Clubbetreiber*innen wurden passgenaue Hilfsangebote. Vonseiten der Politik und Verwaltung fehlt uns vor allem die Bereitschaft einzusehen, dass die Clubs wahrscheinlich die Letzten sein werden die wieder aufmachen. Es müsste mit einer großen Summe ein Überbrückungsgeld für einen festgelegten Zeitraum der Clubschließung definiert werden, das Mieten und weitere laufende Kosten deckt und dass Risiko eine Mietvertragskündigung minimiert.

K: Auf Eurer Webseite findet man die Forderung, dass die Clubs ihre Außenbereiche unter bestimmten Bedingungen öffnen können bzw. Flächen zur Verfügung gestellt werden. Was versprecht Ihr Euch davon?

L: Die Außenbereiche sind für uns im Moment sehr wichtig. Wir glauben, dass der Berliner Sommer genutzt werden kann, um zum einen legale Alternativen zu den illegalen Raves zu bieten und zum anderen dass wir es schaffen, Clubkultur in einem gewissen Rahmen zu ermöglichen. In den Clubs selbst werden Veranstaltungen nach wie vor sehr schwierig zu realisieren sein, da sich in geschlossenen Räumen der Virus schnell verbreitet. In den Außenbereichen sind größere »Zusammenkünfte« möglich, ohne dass eine größere Ansteckungsgefahr besteht.

K: Die Clubcommission Berlin vertritt als „Branchenverband“ die Anliegen und Bedürfnisse der Berliner Clubkultur gegenüber der Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Wie gelingt ein gemeinschaftliches Handeln, besonders in Krisenzeiten?

L: Gemeinschaftliches Handeln in Krisenzeiten ist tatsächlich eine Herausforderung. Die Clubbetreiber*innen sind alle sehr starke Individualist*innen mit eigenen, starken Meinungen. Das macht es nicht einfach für uns, eine Art gemeinsame Stimme zu finden, die allen 100 Prozent zusagt. Allerdings machen wir das jetzt schon ein paar Jahre und wir wissen, dass es Betreiberinnen gibt, die man nie davon überzeugen kann, gemeinsam zu agieren. Die Clubcommission vereint als Mitglieder über 250 Clubs und Veranstalter*innen, ich denke das zeigt, dass wir bisher einen ganz guten Kurs gefahren sind.

K: In England fanden in den letzten Tagen zahlreiche illegale Raves mit Tausenden von Besuchern statt, sodass die Night Time Industries Association eine schwarze Liste für Firmen fordert, die die Infrastruktur für die Veranstaltungen zur Verfügung stellen. Gibt es in Berlin ähnliche Entwicklungen des „unter dem Radar feiern“ der Szene und wenn ja, wie geht ihr damit um?  

L: Wir machen seit vielen Jahren Projekte in dem Bereich des „unter dem Radar feiern“. Es gibt Free Open Airs, Schulungen und wir stehen mit der Szene in einem engen Austausch über deren Bedürfnisse. Wir haben es mit der Forderung, dass spontanes Feiern auf öffentlichen Grünflächen erlaubt werden soll, sogar in den Koalitionsvertrag geschafft. Im Moment ist es jedoch immer noch so, dass die Gesundheit von Menschen im Mittelpunkt steht, und das sollte den Veranstalter*innen klar sein.

K: Gibt es jetzt schon eine Art Auswertung hinsichtlich Eures Handelns oder seid ihr noch mittendrin in der Pandemie?

L: Bis jetzt sind wir in Berlin mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen, das ist eher die Ausnahme, den in anderen Städten gibt es bereits die ersten Insolvenzen. Es ist eher so, dass die Moral leidet. Die Clubs verlieren Mitarbeiter*innen, die momentan andere Jobs annehmen müssen, weil sie nicht mehr in der Kurzarbeit sein möchten. Ein Club lebt von seinem Team und das zum Zusammen- und zum Durchhalten zu motivieren bedeutet viel Druck für die Betreiberinnen. Je länger die Krise dauert, desto schwieriger wird es für jeden einzelnen Bertrieb. Ansonsten muss ich sagen, dass wir eine gute Kommunikation mit der Politik als auch den Mitgliedern haben. Es ist noch ein langer Weg zu gehen, aber bis jetzt haben wir auf diesem Weg noch niemanden verloren.

Olafur Eliasson

Olafur Eliassons neustes Projekt „Earth Speakr“ ist ein Kunstwerk zum Mitmachen. Es soll junge Menschen auf spielerische Art einladen, sich für den Planeten und die Zukunft stark zu machen und ihnen eine interaktive Plattform bieten. Das Kunstwerk setzt ein klares Signal an Erwachsene und Entscheidungsträger in Europa, dass die Zukunft den jungen Generationen gehört und dass sie auch gehört werden sollen.
Earth Speakr

Feed Me Weird Things

Im Gesprächsformat „Feed Me Weird Things“ der HfG Offenbach stellen Akteur*innen aus den Bereichen Clubkultur und Musikperformance ihre künstlerische oder kuratorische Praxis und berufliche Situation vor. Start ist am Montag, den 29.06.2020 um 18:00 Uhr mit Carmen Herold. Weitere Gäste der Gesprächsreihe sind unter anderen Charlotte Simon, Helmut Erler und Kassem Mosse.
Feed Me Weird Things

Amplify Berlin

Seit September 2018 ermöglicht das Residency-Programm Amplify Berlin Newcomer*innen (nicht nur aus Berlin) im Kunsthaus Acud, mit erfahrenen Mentor*innen an ihren Kompositionen, Produktionen und Live-Performances zu arbeiten. Das fünfte Semester des Residency-Programms läuft von Januar bis Februar 2021. Bis zum 15. Juli 2020 könnt ihr euch hier bewerben:
Apply

Turn

Die Webdoku TURN der Kulturstiftung des Bundes zeigt die Zusammenarbeit von Kurator*innen, Künstler*innen, Regisseur*innen, Musiker*innen und Expert*innen aus afrikanischen Ländern und Deutschland. Die Protagonist*innnen berichten von der gemeinsamen künstlerischen Arbeit über die Kontinente hinweg, von Ergebnissen, Debatten, Schwierigkeiten und Hoffnungen. In den Film sind Links zu weiteren Clips, Hintergrundinfos, Websites und Fotos integriert.
TURN

Unversehrtheit: Conversations on the Integrities of the Body

Im Rahmen des Projekts „DMT – Digitaler Mousonturm“ bringt die Kuratorin und Wissenschaftlerin Sandra Noeth internationale Künstler*innen und Forscher*innen aus verschiedenen Disziplinen und Praxisfeldern in der Online-Reihe „Unversehrtheit: Conversations on the Integrities of the Body“ zusammen, um sich in einem informellen Raum der Reflexion dem Begriff der Unversehrtheit zu nähern. Alle bisherigen Folgen sind über den Youtube Kanal des Mousonturms verfügbar.
Mousonturm Youtube Kanal

re:publica im digitalen Exil

Europas größte Digital- und Gesellschaftskonferenz re:publica Berlin, die vom interdisziplinären Austausch zwischen Zivilgesellschaft, Politik, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft fand in diesem Jahr erstmals digital statt. Das gesamte Programm mit allen Sessions und Talks der re:publica im digitalen Exil findet ihr hier:
re:publica.tv

Strength in Numbers

Gabe Meier untersucht in seinem Artikel für Electronic Beats unterschiedliche Ansätze für ein neues Branchenmodell der Musikindustrie, bei dem Künstler*innen – auch auf lokaler Ebene – ohne Einnahmen durch Auftritte überleben könnten.
Strength in Numbers: A More Secure Future for the Music Industry

Better Together

Die Frankfurter Künstlerin Marina Hoppmann ist Mitbegründerin der Plattform Better Together. Mit einem Kauf der dort angebotenen künstlerischen Arbeiten unterstützt ihr gleich doppelt: 70 % der Erlöse gehen an eine Wohltätigkeitsorganisation, 30 % an die Künstler*innen.
Better Together

Creatives Unite

Die Europäische Kommission hat mit Creatives Unite eine neue Online-Plattform für Akteur*innen der Kultur- und Kreativwirtschaft während der Corona-Pandemie gestartet. Sie soll zentrale Anlaufstelle für alle sein, die Informationen über Initiativen zur Krisenreaktion in ihrer Branche suchen oder auch teilen wollen.
Creatives Unite

Tender Squads

Die Clubs bleiben geschlossen, die Macher*innen des interdisziplinären Balance Club / Culture Festivals widmeten sich trotzdem Themen der Zeit an der Schnittstelle von Gesellschaftskritik und Clubkultur – natürlich im Internet. Unter dem Motto „Tender Squads“ ist das gesamte Programm zwischen Diskurs und Clubkultur weiterhin auf der Webseite des Festivals verfügbar.
Balance Club / Culture Festivals (Web Edition 2020)

Nein zu rassistischer Polizeigewalt – Auch in Deutschland

Die ganze Welt schaut auf die USA. Die Bilder und Videos, die zeigen, wie George Floyd starb, während er von mehreren Polizisten fixiert wurde, gingen um die Welt. Eine Woche dauern die Proteste in den USA schon an. Und auch in Europa haben sich Menschen solidarisiert, um gegen rassistische Polizeigewalt und systemischen Rassismus zu protestieren. So versammelten sich in Berlin am Wochenende mehr als 3000 Menschen, um auch der Toten zu gedenken, die in Deutschland durch Polizeigewalt oder in Polizeigewahrsam gestorben sind.

Oury Jalloh (2005), Christy Schwundeck (2011), Amad A. (2018) und Matiullah J. (2018) – dies sind nur einige Namen. Initiativen wie die ISD (Initiative Schwarze Menschen in Deutschland) und Beratungsstellen beklagen schon seit Jahren institutionellen Rassismus in der Polizei und der Justiz. Viele Fälle bleiben unaufgeklärt, viele Fragen offen. Dabei kommt es kaum zu Verurteilungen. Die Kampagnen KOP und „Death in Custody“ dokumentieren diese Fälle. Auch ist es Aktivist*innen der Initiative Oury Jalloh zu verdanken, dass weitere Gutachten in Auftrag gegeben wurden und der Fall noch in der Öffentlichkeit ist. Oury Jalloh soll sich 2005 in Dessau in einer Gefängniszelle selbst angezündet haben, obwohl er nachweislich an Händen und Füßen gefesselt war.

Die Bildungsstätte Anne Frank fordert deshalb nicht erst seit dem NSU-Komplex und dem Anschlag von Hanau rassismuskritische und antisemitismuskritische (Weiter-)Bildung in der Polizei. Die Probleme mit Rechtsradikalen in den Reihen der Polizei zeigen, dass Antirassismus dringend in der Ausbildung angehender Polizeibeamter verankert werden muss.

Viele antirassistische Organisationen und Initiativen rufen deshalb auch in deutschen Städten zu Protesten, Demonstrationen und Mahnwachen auf. Unter dem Hashtag #BlackLivesMatterGermany gibt es einen Überblick.

In Frankfurt findet am Mittwoch, den 3. Juni, eine Kundgebung ab 17 Uhr an der Hauptwache statt. Weitere Aktionen sind für den 5. und 6. Juni geplant.

Am Donnerstag, dem 4. Juni, 18 Uhr sprecht die Bildungsstätte Anne Frank im YouTube-Livestream mit Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland über rassistische Polizeigewalt in Deutschland.
Bildungsstätte Anne Frank (Facebook)

Probleme des Musik Streaming Geschäfts

Mit einer Vielzahl an potenziellen Alternativen zu Spotify, sowohl neuen als auch alten, gab es nie einen besseren Zeitpunkt, um die großen Streaming Dienste hinter sich zu lassen. In ihrem neusten Artikel beleuchtet Dayna Evans akute Probleme des Musik Streamings.
Is There Ethical Music Streaming Under Capitalism?

Sechs Fragen an Florian Höhr (Nippon Connection)

Florian Höhr ist Programmdirektor des Japanischen Filmfestivals Nippon Connection. Neben seinem Masterstudium der Filmwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz arbeitet er als Filmvermittler für das DFF – Deutsches Filminstitut und Filmmuseum, die Schulkinowochen Hessen und für LUCAS – Internationales Festival für junge Filmfans. Zudem ist er als freier Autor aktiv.

K: Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu eurem 20-jährigen Jubiläum! Die Umstände zwingen euch gerade, in kurzer Zeit ein Format komplett neu zu entwickeln. Gab es in den 20 Jahren Festivalgeschichte vergleichbare Situationen?

F: 2011 hat die Dreifachkatastrophe in Japan die Organisation des Festivals völlig auf den Kopf gestellt. Nur wenige Wochen vor dem Start des Festivals, als das Programm schon längst festgelegt war, stand plötzlich alles auf der Kippe: Können die Filmschaffenden anreisen? Welche Programmpunkte müssen wegfallen, wie kann die Aufarbeitung der Katastrophe in das Festivalprogramm integriert werden – und kann das Festival überhaupt stattfinden? Die Herausforderung, binnen kürzester Zeit nochmal alles auf die aktuellen Ereignisse anzupassen, hat das Festivalteam damals gut gemeistert. Und auch dieses Jahr, fast zehn Jahre später, sind wir optimistisch, uns an die ungewohnten Umstände gut anpassen zu können.

K: Ihr verlagert das Film-Festival in den digitalen Raum. Welche „Komponenten“ des Festivals lassen sich dabei gut übersetzen und wo stellt ihr Schwierigkeiten fest?

F: Glücklicherweise waren viele Filmschaffende und -verleiher einem Online-Filmfestival gegenüber sehr aufgeschlossen. So war es uns möglich, die meisten schon vor Ausbruch der Pandemie zugesagten Filme auch für die Online-Ausgabe zu gewinnen. Letzten Endes gehören Filme immer noch auf die große Leinwand, aber da Streamingdienste immer populärer werden, ist das eine Lösung, mit der unser Publikum sicher gut umgehen kann.
Das Festival lebt neben den Filmen auch vom umfangreichen Kultur- und Rahmenprogramm. Hier konnten wir auch innerhalb kürzester Zeit viele der geplanten Programmpunkte in den digitalen Raum übertragen, sodass wir nun rund 40 Workshops, Performances und Vorträge und sogar Online-Karaoke anbieten können.
Für mich selbst sind die vielen Begegnungen mit Besucher*innen und Filmschaffenden jedes Jahr ein Highlight, und das lässt sich mit der Online-Ausgabe leider nur bedingt umsetzen. Natürlich kann man sich auch online über das gesehene austauschen, aber letzten Endes wird doch einiges an Atmosphäre fehlen, wenn ich das Festival vor dem heimischen Computer verbringe.

K: Mit etwas gutem Willen kann man das ganze Vorhaben als Experiment betrachten, das vielleicht Maßstäbe setzt. Gibt es aus eurer Sicht bereits gelungene Transformationen künstlerischer Events in den digitalen Raum?

F: Mich hat beeindruckt, wie andere Filmfestivals aus der Region, wie etwa Lichter und goEast, es geschafft haben, mit noch geringerer Vorlaufzeit das Beste aus der Situation zu machen. Auch intime Wohnzimmerkonzerte im Livestream, oder die Bemühungen zahlreicher renommierter Museen, ihre Ausstellungen digital verfügbar zu machen, sind eine echte Bereicherung.

K: Wie wird ein etabliertes Festival, wie ihr es jährlich organisiert, vonseiten der Stadt und dem Land momentan unterstützt? Gibt es Angebote, auf die ihr zurückgreifen könnt? Welche Angebote und Hilfestellungen fehlen euch?

F: Das Land Hessen und die Stadt Frankfurt gehören nach wie vor zu unseren wichtigsten Förderern und es stand schon früh fest, dass beide uns auch bei der Durchführung einer Online-Ausgabe unterstützen würden. Auch einige Sponsoren sind weiterhin dabei, aber die drohende Rezession wird sicher dazu führen, dass unsere ohnehin schon schwer zu bewältigende Finanzierung sich in Zukunft noch schwieriger gestalten wird. Ein wichtiger Beitrag zur Finanzierung sind auch, was vielen gar nicht bewusst ist, unsere Einnahmen durch Getränkeverkäufe oder durch Standgebühren. Ohne Bar und Aussteller fallen diese Posten dieses Jahr natürlich komplett aus.
 
K: Auf eurer Facebook Seite findet man zahlreiche Kommentare von Fans des Festivals, die der ganzen Situation auch etwas Gutes abgewinnen können. Filme digital verfügbar machen und länger ins Netz stellen macht unabhängig von Zeit und Ort und erweitert die Zielgruppe, so die Argumentation. Seht ihr das ähnlich optimistisch?

F: Tatsächlich haben viele frühere Stammbesucher*innen des Festivals, die nicht mehr in der Umgebung wohnen, jetzt endlich wieder die Möglichkeit, am Festival teilzunehmen. Gleichzeitig hoffen wir natürlich auch neue Zielgruppen zu erschließen und haben dafür unsere Social-Media-Aktivitäten intensiviert. Ein Vorteil ist auch, dass man sich seinen Zeitplan komplett selbst zusammenstellen kann und nicht auf die Spielzeiten der Filme angewiesen ist. Viele Filme laufen innerhalb des Festivals ja nur einmal und sind danach möglicherweise nie wieder in Deutschland zu sehen.

K: Das Jubiläum wird in die Geschichte des Nippon Connection Festival eingehen. Angenommen, ihr könntet jetzt schon darauf zurückblicken, welche Rezension wünscht ihr euch für diese besondere Ausgabe?

F: Wir hoffen natürlich, dass die Mühen der letzten Wochen sich in einem reibungslosen Ablauf bemerkbar machen und wir am Ende viele zufriedene alte und neue Nippon-Connection-Fans haben! Da wir das zum ersten Mal machen, ist die Organisation vor allem aus technischer Seite mit vielen Unsicherheiten verbunden und wir haben den Anspruch, unserem Publikum ein professionell durchgeführtes Programm bieten zu können. Auch wenn ich hoffe, dass die zwanzigste Ausgabe die einzige sein wird, die komplett ins Digitale verlegt wird: Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir aus dieser Situation auch wertvolles neues Wissen für unsere zukünftige Arbeit mitnehmen.
Nippon Connection

See You Soon

Um den Fortbestand des Clubs zu sichern, hat das Team des Robert Johnsons die Aktion See You Soon ins Leben gerufen. Durch den Erwerb verschiedener Multiples und Editionen von befreundeten Künstler*innen und Designer*innen soll im Rahmen einer einmaligen Kunstaktion die Schließung des Clubs verhindert werden. Mitwirkende sind unter anderem Tobias Rehberger, Anne Imhof, Dixon, Michael Riedel und Stefan Marx.
See You Soon

Terraforma Festival

Auch in diesem Jahr steht der Mittelpunkt des Mailänder Terraforma Festivals auf Nachhaltigkeit. Das Festival wird zwar ins nächste Jahr verschoben, die Veranstalter nutzen aber die Zeit bis dahin, um das Festivalgelände wieder aufzuforsten.
Terraforma Festival

 

future OF culture

Eine Stadt ohne Kultur? Ohne Events, Konzerte, Ausstellungen, Theaterabende, Festivals? Undenkbar. Um das zu verhindern startet die Stadt Offenbach „future OF culture“. Die Kampagne informiert euch über alle Spendenaktionen der Offenbacher Kulturorte.
future OF culture

Hafen schultern

Um weiterhin ein ambitioniertes Kulturprogramm anbieten zu können, brauch der Hafen 2 in Offenbach unsere finanzielle Unterstützung. Mehr Informationen zu dem Spendenaufruf findet ihr in der GoFundMe-Kampagne des Hafen 2.
Spendenaktion

Bruchstelle: After Corona – Wie sieht der Club von morgen aus?

In seinem neusten Artikel beleuchtet Kristoffer Cornils die derzeitigen Probleme, Herausforderungen und Chancen der deutschen Clublandschaft.
Artikel

Fünf Fragen an Pascal Mungioli (Robert Johnson)

Pascal Mungioli arbeitet in verschiedenen Feldern elektronischer Clubkultur. Vor und nach seinem Studium der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künster Berlin (2016-2019) hat er verschiedene größere Veranstaltungs- und Kommunikationskonzepte betreut. Pascal Mungioli war Betriebsleiter des Zoom (2012-2016), eines der bedeutenden Clubs für Live-Musik europaweit und gründete während des Studiums seine Booking- und Management-Agentur Stay Service (2019 – jetzt). Seit 2018 ist er im Robert Johnson für die Kommunikation zuständig und seit Januar 2020 für das Programm verantwortlich.

K: Momentan ist ja alles runtergefahren und ein laufender Veranstaltungsbetrieb erstmal in weite Ferne gerückt. Welche Aufgaben gibt es für Dich zu erledigen?

P: Niemand weiß, wie lange der Lockdown geht und wir brauchen bei einer potentiellen Wiedereröffnung natürlich ein Programm. Deswegen müssen viele Termine gestrichen, Ersatztermine gesucht und bald auch neue Deals verhandelt werden. Unsere Social Media Kanäle sollten auch weiterhin unterhalten werden, da gibt es immer etwas zu tun. Aktuell arbeiten wir an einer großen Kampagne, um den Club durch die Krise zu bringen.

K: Wie geht das Robert Johnson mit der Schließung um? Auf der Website findet man den Hinweis, dass ihr die Situation beobachtet und auf Veränderungen reagiert. Sind darüber hinaus alternative Formate (Streams, Lectures… ) geplant, um die Zeit zu überbrücken?

P: Wir haben direkt daran gedacht, dass wir weiterhin aktiv sein wollen und uns aus Gründen gegen Streaming-Formate ausgesprochen, aber für eine Podcastserie entschieden, die einen Einblick in die gegenwärtige elektronische Musikszene im und um das Robert Johnson herum gibt. Diese Reihe organisieren Resident Tim Lotz (Hitekjaz), der ehemalige Booker Oliver Bauer und ich.

K: Mittlerweile stehen Fördermittel und Unterstützungsangebote zur Verfügung. Wie schätzt du das Angebot an Hilfestellungen, für einen Club wie das Robert Johnson, ein?

P: Generell gibt es für Einrichtungen, die existenziell für die Vielfalt der Kultur des Landes sind wenig bis keine Hilfen. Ich denke, da braucht es ein Stück weit mehr Verständnis für die Wichtigkeit von Clubkultur in den verschiedenen Kommunen. Die Hoffnung ist groß, dass wir dieses Jahr regional mit der Musikkonferenz „OFF-TOPIC“ innerhalb des Riviera Festivals etwas bewegen können.

K: Siehst du Eure Interessen, Probleme und Nöte gegenüber der Stadt und dem Land ausreichend kommuniziert und vertreten?

P: Leider gibt es aktuell keine aktive, unabhängige Interessenvertretung. Wir arbeiten allerdings eng mit dem Amt für Kulturmanagement der Stadt Offenbach zusammen.

K: Es gibt z. B. in Berlin und Leipzig solidarisierende Aktionen aus der Clubszene heraus, wie sieht es da in Offenbach und Frankfurt aus? Gibt es ein Miteinander der Clubs, sind gemeinsame Aktionen geplant?

P: Es gibt in Frankfurt ein Netzwerk für Veranstaltungs- und Clubkultur, „Clubs am Main“. Das letzte Mal habe ich davon so wirklich etwas gehört oder gesehen, als es den großen Streit um die Gema-Gebühren gab. Ich denke, die Clubszene steht einer weiteren großen Herausforderung gegenüber, unabhängig von der Corona-Krise. Die Pandemie deckt auf, was in den letzten Jahren falsch lief. Mehr Organisation und nachhaltige Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten wären gut.

Photo credit: Johanna Bieber

 

#TachlesVideocast: Krise und Popkultur – Gespräch mit Tobias Rapp

In der aktuellen Episode des #TachelesVideocast des Jüdischen Museum Frankfurts unterhält sich Direktorin Mirjam Wenzel mit Tobias Rapp, Spiegel-Redakteur und Autor des Buches „Lost and Sound. Berlin, Techno und der Easyjetset“, über die Auswirkungen der Corona Pandemie auf die Popkultur.
#TachlesVideocast

Between Bridges: 2020Solidarity

Der Fotokünstler Wolfgang Tillmans hat für sein Between Bridges Projekt Künstlerinnen und Künstler eingeladen, Poster zu gestalten. Der Erlös der Editionen kommt Clubs, Kulturinitiativen und Publikationen zugute, die von der Corona-Krise bedroht sind.
Between Bridges

Bandcamp

Zum zweiten Mal während der Corona-Krise startet Bandcamp eine Sonderaktion: Am Freitag, den 1. Mai gehen alle Einnahmen der Plattform zu 100% an die Künstler*innen und Labels. Bandcamp wird für einen Tag lang erneut auf die Gebühren verzichten, die auf der Plattform beim Verkauf von Musik erhoben werden. Normalerweise gehen 15 Prozent der Erlöse als Gebühr an Bandcamp.
Bandcamp

Sechs Fragen an Rosita Kürbis

Rosita Kuerbis ist Beraterin für Unternehmen, Solo-Selbstständige, Kulturschaffende, Mitarbeiter*innen von Stiftungen, Vereinen und NGOs aus den Bereichen der Kreativwirtschaft, Soziokultur und Technologie in Bezug auf die Finanzierung und Förderung von Vorhaben. Sie begleitet geförderte Projekte auf Landes, Bundes und EU-Ebene. Für die jetzige Situation hat sie einen Handlungsleitfaden für Soloselbständige und Freiberufler*innen verfasst, den sie uns an dieser Stelle näher vorstellt.

K: Sie beraten und unterstützen seit 2016 Klienten aus ganz unterschiedlichen Bereichen in Bezug auf private und öffentliche Fördermaßnahmen. Im Zuge der Covid-19 Pandemie haben Sie sehr schnell einen Handlungsleitfaden für Soloselbstständige und Freiberufler entwickelt, der aus der Schockstarre heraus führt und wieder handlungsfähig macht. Welche Punkte haben sich als besonders wichtig erwiesen?

R: Wichtig ist, dass wir jetzt handlungsfähig bleiben und eine Übersicht haben, was jede und jeder in diesem Moment tun kann, um Einnahmeeinbußen abzufedern. Covid-19 bestimmt im Moment unseren Zeitplan. Voraussagen zu den langfristigen Auswirkungen der Pandemie sind derzeit kaum zu treffen. Darum zielen auch die Hilfen von Bund und Land zunächst auf die aktuellen Umsatzeinbußen der Monate März bis Mai ab. Für den Lebensunterhalt, Miete und Leistungen der Grundversorgung in diesem Moment durch den Schutzschild der Bundesregierung gesorgt.

K: Mittlerweile haben Bund und Länder zahlreiche weitere Maßnahmen beschlossen. Halten Sie diese, gerade im Hinblick auf die Kultur- und Kreativbranche für ausreichend? Welche Maßnahmen und Hilfestellungen fehlen Ihnen?

R: Leider nein. Vielen Soloselbständigen, insbesondere den Kreativen, ist nicht damit gedient ist, Soforthilfen zur Deckung von Betriebskosten zu erhalten. Betriebskosten fallen hier schlicht nicht ins Gewicht. Ein Großteil der Kreativen erwirtschaftet Einnahmen zur Finanzierung des eigenen Lebens. Fehlende Einnahmen bedeuten unmittelbar eine existenzielle Bedrohung.
Das Gute ist, es gibt den Schutzschild. Nur, er reicht nicht und geht auch nicht weit genug. Der Gang zum Arbeitsamt – auch wenn die Hürden jetzt deutlich gesenkt worden sind – und die Beantragung der „Grundsicherung“ mit dem Stigma Hartz IV oder Sozialhilfe ist nicht das richtige Instrument.
An dieser Stelle fehlt ein eigenes Programm, dass im Gegensatz zu Hartz IV und Sozialhilfe den wirtschaftlichen Wert der Arbeit der Kreativen und Soloselbständigen anerkennt und diese als Teil der Wirtschaftskraft Deutschlands entsprechend würdigt. Sie brauchen Motivation, um Neues zu denken und sich in den möglichen pandemiebedingten Umwälzungen neu zu erfinden.
Dazu braucht es gerade jetzt die Anerkennung ihrer Leistung als wichtiger Motor und Antrieb unserer Gesellschaft.

K: Nichts ist mehr so wie es war, Selbstverständlichkeiten sind nicht mehr gegeben. Wie wirkt sich dieser Zustand auf laufende, bereits bewilligte Projektförderungen im Kulturbereich aus?

R: In diesem Moment, in dem ich Ihnen auf die Frage antworte, ist alles noch beim Alten. Es ist aber davon auszugehen, dass laufende Projekte (die pandemiebedingt nicht mehr so umgesetzt werden können wie geplant), in Absprache mit dem Fördergeber entweder verschoben oder mit anderen Formaten umgesetzt werden können. Hierbei ist es sehr wichtig, sich rechtzeitig mit dem Fördergeber in Verbindung zu setzen und die Möglichkeiten zu besprechen.

K: Zeichnen sich trotz aller Ungewissheiten, Tendenzen in der Förderpolitik ab, z. B. Unterstützung der Verlagerung in „digitale Räume“ oder eine inhaltliche Neuausrichtung der Förderrichtlinien?

R: Wir werden sicherlich in den kommenden Wochen mehr dazu wissen. Die Beauftrage für Kultur und Medien, Monika Grütters, hat bereits angekündigt, dass „beispielsweise auf Rückforderungen von Fördermitteln so weit wie möglich verzichtet werden [soll], wenn Veranstaltungen oder Projekte aufgrund der Pandemie nicht umgesetzt werden können. Die Instrumente des Kulturetats, insbesondere die bestehenden Förderprogramme, sollen mit Blick auf die aktuellen Bedürfnisse angepasst und geschärft werden.”
Die Ergebnisse erwarten wir mit Spannung.

K: Momentan zeigt sich die finanzielle Abhängigkeit der Musiker*innen von Live-Auftritten besonders deutlich. Sehen Sie Tendenzen, dass die Beteiligung der Musikerinnen an Einnahmen durch Streaming-Dienste, Plattenfirmen etc. neu diskutiert wird?

R: Das werden wir sehen. Von den Auswirkungen der Corona-Pandemie sind natürlich alle Akteure der Musikwirtschaft betroffen. Ich hoffe, dass die Verbände und Verwertungsgesellschaften der Musikwirtschaft über die Sorge um den Ausgleich finanzieller Notlagen hinaus auch an die Musiker*innen und Autor*innen denken und weiterhin – besser noch verstärkt – an dieser Problematik arbeiten.
An erster Stelle stehen jetzt die Soforthilfen der Bundesregierung zur Überbrückung von Einnahme-Verlusten für die Urheber*innen, Musiker*innen und die gesamte Musikwirtschaft.
Dazu haben sich die zentralen Verbände der Musikwirtschaft (*Quellangabe 1) und die Verwertungsgesellschaften GEMA und GVL zusammengeschlossen und mit einem gemeinsamen Bericht der Verbände der deutschen Musikwirtschaft zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie (Berlin 25. März 2020) zu den Umsatzeinbußen für einen Zeitraum von sechs Monaten geantwortet.
Der Bericht stellt die Verluste der Branchensegmente dar und stellt fest, dass „allein für über 50.000 Musiker*innen belaufen sich bei einer Dauer der Maßnahmen von sechs Monaten – bei einem von der Künstlersozialkasse veröffentlichten durchschnittlichen Jahreseinkommen von lediglich 13.000 Euro – nach aktuellen Schätzungen die zu erwartenden direkten Umsatzeinbußen auf ca. 325 Mio. Euro.“
Dabei reichen die Soforthilfen des Bundes für Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen „nicht annähernd aus, um bei der überwiegenden Zahl der musikwirtschaftlichen Unternehmen die erheblichen Schäden, die bereits entstanden sind und noch entstehen werden, zu kompensieren.“
Gleichzeitig verstärkt die deutsche Kreativwirtschaft mit einem Forderungskatalog den Druck auf die Bundesregierung.
Die Hamburg Kreativ Gesellschaft, das Kompetenzzentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft der Landeshauptstadt München, Kreative Hessen – Bundesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft und weitere 24 Verbände fordern deutliche Anpassungen der aktuell zur Verfügung stehenden Soforthilfeprogramme des Bundes. (*Quellangabe 2)
Sie fordern unter anderem „die Geltendmachung eines Unternehmerlohns als Betriebskosten im Rahmen der Soforthilfe.“ Und die Anpassung des Zeitraums der Liquiditätsengpässe. Derzeit dürfen Betriebskosten für die Monate März bis Mai angerechnet werden. Die Unterzeichner gehen jedoch davon aus, dass Liquiditätsengpässe erst ab Juni 2020, aber dann massiv, eintreten werden.
Viele Baustellen, an denen zurzeit gearbeitet wird. Trotzdem darf die eigentliche Frage nach der Vergütung von Musiker*innen und Urheber*innen durch Streaming-Dienste gerade jetzt nicht aus dem Fokus geraten.
Zum einen wird vermutet, dass die Vielzahl kostenloser Digitalangebote und Online-Konzerte die Einnahmen durch Bezahl-Streaming-Angebote drücken werden. Zum anderen werden sich die fehlenden Liveauftritte überdies erst im kommenden Jahr durch geminderte Ausschüttungen durch die Verwertungsgesellschaften bemerkbar machen und Musikschaffende, Musiker’innen wie Urheber*innen ein zweites Mal heftig treffen.

K: Aus ihrer eigenen Erfahrung heraus, wie bleibt man (auch mental) in solch einer Situation handlungsfähig?

R: Zunächst einmal: Ruhe bewahren und den Blick auf das momentan Mögliche lenken. Es gibt keinen Grund, sich jetzt den Kopf darüber zu zermartern, was in einem halben Jahr sein wird. Das wissen wir nicht. Aber eines ist sicher, es wird Lösungen geben.
Plötzlich ist Undenkbares möglich. Ideale Voraussetzungen für Kreative. Sie können jetzt richtig hochfahren und Projektförderungen für neue, innovative Vorhaben beantragen. (Wohl nicht für Konzerte, aber Promo- und Marketingmaßnahmen, digitale Formate, Umstrukturierungen der Geschäftsmodelle und viele Bereiche mehr…). Die Förderer haben sich bereits auf die Corona-Auswirkungen eingestellt und ihre Maßnahmen angepasst. Es wurden neue Programme ins Leben gerufen, die Anträge werden in Rekordgeschwindigkeit beschieden.
Vielleicht ist aber auch das genaue Gegenteil der richtige Weg: die Zeit nutzen und sich einfach mal zurücklehnen. Ein französisches Sprichwort sagt: „Man muss einen Schritt zurücktreten, um zum großen Sprung anzusetzen.“
Einiges ist auf den Weg gebracht. Es werden noch viele Entscheidungen getroffen werden und weitere Maßnahmen erforderlich sein. Zu unserem Besten, wenn wir uns alle dafür einsetzen.

Mehr Informationen von und um Rosita Kürbis findet ihr auf ihrer Webseite.

*Quellangabe 1: BDKV – Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft e.V. BVMI – Bundesverband der Musikindustrie e.V., BV POP – Bundesverband Popularmusik e.V., DMV – Deutscher Musikverleger-Verband e.V., EVVC – Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren e.V., GVL – Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten, GEMA – Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte , LIVEKOMM – Verband der Musikspielstätten in Deutschland e.V., SOMM – Society Of Music Merchants e. V., VUT – Verband unabhängiger Musikunternehmer*innen e.V. 

*Quellangabe 2: Covis-19: Kreativwirtschaft fordert einheitliches Förderprogramm, Musikwoche 14.04.2020

Richard Pflaumes Covid-19-Fotoprojekt

Weil er für seine Fotos nicht mehr vor die Tür gehen kann, porträtiert Richard Pflaume Menschen in Isolation jetzt per Skype-Screenshot. Das Interview im Monopol Magazin könnt ihr hier nachlesen: → Interview 

Lichter on demand

Die 13. Ausgabe des Lichter Filmfest Frankfurt findet trotz geschlossener Festival Kinos statt! Das Social-Distancing wird via Online-Streaming Plattform gewährleistet und so gibt es vom 21. bis 26. April Filme und Gesprächsformate »on-Demand«. Gezeigt wird unter anderem Alexander Kluges Film »Orphea«, die Zuschauer*innen können per Online-Voting den Publikumspreis für den besten regionalen Kurzfilm vergeben und das Ganze wird flankiert durch Interviews mit Filmschaffenden und Panel Gesprächen zum Thema »Macht«. Podcast und Videokonferenz bringen Festival Atmosphäre zu euch nach Hause – wir wünschen den Veranstalter*innen gutes Gelingen.

Das Gespräch mit dem Festivalleiter Gregor Maria Schubert gibt es hier zum nachhören: → Interview

Das Nippon Connection Filmfestival geht online

Ein weiteres Filmfestival beschreitet neue Wege! Das 20. Nippon Connection Filmfestival findet vom 9. bis zum 14. Juni 2020 online statt. Die Veranstalter*innen arbeiten momentan mit Hochdruck an der Transformation des Konzeptes in das Digitale. Gezeigt werden aktuelle japanischen Kurz- und Langfilme, die von interaktiven Workshops, Konzerten, Vorträgen und Gesprächen mit Filmemacher*innen begleitet werden.
Nippon Connection

Five essential graphic designs

Der Blitz Club aus München hat sich Gedanken gemacht wie man ein Publikum unterhält, das physisch vorerst nicht mehr anwesend sein wird und ist zu dem Schluss gekommen, sich mit interessanten Leuten über Musik, Design, Kunst und Attitüde auszutauschen. Das Zuhören macht tatsächlich Spaß, vor allem wenn die sympathischen Herren von Public Possession zu Wort kommen.

Video: → Five essential graphic designs with Anja Lekavski und Public Possession